+++ Aktuelles Interview zur Situation in Ruanda +++


Herr Black, was sind Ihre Aufgaben bei ora international? Zu meinen Aufgaben als Projektkoordinator gehören Reisen zu unseren Standorten weltweit. Idealerweise reise ich einmal pro Jahr in die Projekte. Ich betreue dann die Arbeit vor Ort, stelle sie in Form von Videoaufnahmen und Fotos dar und sammele Informationen, die für unsere Spender relevant sind. Aber auch in der restlichen Zeit stehe ich in engem Kontakt und im Dialog mit den Projektleitern und Partnern vor Ort. Ich prüfe die Projektentwicklungen, die Fortschritte und die Erreichbarkeit der Ziele. Manchmal sehe ich mich mit Problemen konfrontiert und muss helfen, Konflikte zu lösen. Zudem trage ich unserem Vorstand Vorschläge vor, um Projekte effektiver zu gestalten.
Sie waren vom 22. bis 29. April dieses Jahres in Ruanda. Was war Grund Ihrer Reise? Ruanda ist eines von unseren am stärksten wachsenden Projekten. Zurzeit betreuen wir über 400 Patenkinder in zwei verschiedenen Projektstandorten. Diese hätten sonst keinerlei Unterstützung in Form von schulischer Ausbildung, gesunder Ernährung und medizinischer Versorgung. Da die Zahl der vermittelten Patenschaften wächst, gilt es, neue Gemeinschaftsprojekte zu etablieren und vorhandene auf Erfolg zu überprüfen. Eines unserer aktuellsten Projekte war die Pflanzung von 10.000 Obstbäumen, die bereits erste Früchte tragen und Einkommen für viele hundert Patenfamilien schaffen.
In Ruanda hat sich 1994 Schreckliches ereignet. Wie haben Sie das Land heute erlebt? In diesem Land fühlt man sich willkommen und eingeladen - unabhängig von Hautfarbe und Herkunft. Hier herrscht nach meiner Erfahrung kein Rassismus. Gerade weil die Ruander solch ein aufgeschlossenes Volk sind, fragt man sich, wie solch ein grausamer Völkermord überhaupt passieren konnte. Sicher spielten ethnische Probleme eine Hauptrolle. Ich gehe davon aus, dass dieses Volk die große Fähigkeit zur Vergebung besitzt. Täter und Opfer dieses Genozids leben auch heute noch Seite an Seite. Kaum jemand ist verbittert. Man spürt keinen merkbaren Hass. Das lässt mich hoffen.
Was sind Schwerpunkte der Arbeit von ora international im Projektstandort Kabuga? Allem voran steht das Patenschaftsprogramm. Es hat zum Ziel, das Leben eines Kindes zu verbessern und zugleich auch die ganze Gemeinschaft, in der es lebt. Nur wenn sich das Umfeld zum Positiven wandelt, verändert sich das Leben des Kinds dauerhaft zum Besseren. Begleitende Projekte dazu sind der landwirtschaftliche Anbau, die Viehzucht, die schulische Ausbildung und die medizinische Versorgung, vor allem für die an Aids erkrankten Mütter und Pflegemütter, aber auch die seelsorgerlich-psychologischen Therapien zur Traumaverarbeitung.
Wie wirkt sich die langjährige Unterstützung von ora auf die Menschen und ihr Umfeld aus? Die Unterstützung der Familien, die in der Regel aus Witwen und eigenen wie angenommenen Kindern bestehen, ist der Schlüssel zur Verbesserung des Lebens aller. Die Familien werden mit der Zeit selbständiger. Die meisten haben ihr eigenes Konto eröffnet. Die Kühe bringen Milch, die Ernte vom Ackerbau bringen Einkommen. Die Armut wird dabei bekämpft, die Kinder leiden nicht länger unter Mängeln. Das Umfeld des Kindes ist stabiler. Die Menschen leben nicht mehr von der Hand in den Mund. Sondern sie leben von Zielen und einer Hoffnung auf die Zukunft, die sie zuvor nicht hatten.
Wie kann sich ein Spender oder Förderer ganz persönlich engagieren? Eine Patenschaft für einen Euro am Tag ist die persönlichste Art der Unterstützung. Zudem kann man mit Sonderspenden die Projekte fördern. Meine Kollegin, Anne Dreckmeier informiert darüber in kostenlosen Vorträgen mit eindrucksvollen Informationen und Bildmaterial aus erster Hand (Telefon: 0 56 31/95 05 0). Förderer können auch Menschen im Freundes- und Bekanntenkreis für das Thema sensibilisieren. Ruanda braucht die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit. Schon einmal haben zu viele weggeschaut. Das darf sich nicht wiederholen.
Herr Black, haben Sie vielen Dank für das Gespräch!
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