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+++ Aktuelles Burma-Interview +++




Herr Miller, wir können weder Ihren wahren Namen, noch die Namen und Standorte unserer Projekte in Burma und dem Goldenen Dreieck nennen. Warum nicht?
Dafür gibt es verschiedene Gründe. Meine Organisation ist schon sehr lange in der Region tätig und wir arbeiten mit verschiedenen Gruppen zusammen. Manche Regierungen befürchten deswegen, dass wir politischen Einfluss auf Akteure ausüben könnten, mit denen sie in Konflikt stehen oder die sie selbst beeinflussen wollen. Noch wichtiger: Wenn die Widerstandsgruppen glauben, dass wir ein schlechtes Bild von ihnen verbreiten, werden sie die Zusammenarbeit mit uns beenden. Unsere Teams vor Ort würden vielleicht gar verfolgt. Und die Kinder würden wieder aus unserer Obhut genommen.

Über die Jahre haben Sie hunderte Kindersoldaten getroffen. Woher kommen die Kinder und wieso enden sie mit einer Waffe in den Händen?
Oft sind Kindersoldaten Waisen und werden als Eigentum des Staates - und damit der Armee - betrachtet. Manche werden auch gekidnappt oder bei Razzien von Haus zu Haus rekrutiert. Aufständische sehen oft keine andere Möglichkeit, als ihre Interessen durch den Einsatz von Kindersoldaten durchzusetzen. Wenn wir ihnen aber Möglichkeiten aufzeigen, die ökonomische oder soziale Situation in ihrem Gebiet zu verbessern, sind sie oft bereit, die Kindersoldaten zu entlassen.

Was macht Kindersoldaten so attraktiv für Armeeoffiziere und Milizenführer?
Kinder sind attraktiv für die Armee, weil sie leicht zu beeinflussen und zu formen sind. Wenn sie in ihrer Kindheit nichts anderes als die Armee kennen lernen, werden sie sehr wahrscheinlich als Erwachsene Soldaten bleiben. In vielen Gebieten, in denen wir arbeiten, sind zudem Kinderrechte kaum bekannt und werden selten umgesetzt. Auch kulturelle Faktoren wirken sich aus: In einigen Regionen ist es die Bestimmung des erstgeborenen Kindes, im Krieg zu kämpfen.

Wie sieht der typische Tagesablauf eines Kindersoldaten aus?
Das unterscheidet sich je nach Land oder Region. Die meisten Kinder, die wir betreuen, mussten ihren Tag in den Kasernen früh morgens mit Laufübungen beginnen. Danach arbeiteten sie auf den Feldern oder halfen beim Straßenbau. Von Zeit zu Zeit standen sie unter dem Kommando eines Drill-Sergeants, der sie auch nachts antreten ließ. Dann wieder trainieren sie monatelang für den Kriegseinsatz. Nur wenn sie Glück haben, bekommen sie zweimal am Tag etwas zu essen. Für gewöhnlich aber nicht mehr als etwas Reis und Gemüsebrühe. Die Kinder werden oft geschlagen und müssen unbedingten Gehorsam leisten. Oft werden sie auch sexuell ausgebeutet.

Ehemalige Kindersoldaten leiden unter ihren traumatischen Erlebnissen. Wie genau belasten sie die Kinder? Und wie helfen die Projekte ihnen, damit zu leben?
Die meisten Kinder können wir aus ihren Einheiten befreien, bevor sie tatsächlich kämpfen müssen. Das ist sehr wichtig, denn Kriegserlebnisse und die Erfahrung des Todes schädigen die emotionale Gesundheit eines Kindes schwer. Dennoch kommen die Kinder traumatisiert zu uns. Sie haben Krankheiten wie Hepatitis A und Tuberkulose. Manche nässen sich nachts ein - ein klares Zeichen für ein Trauma. Doch nach Missbräuchen ziehen sich asiatische Kinder meist in sich selbst zurück und verstummen. Und es dauert, bis sie sich öffnen. Wir denken, das Beste was wir den Kindern geben können ist ein stabiles Umfeld, liebevolle Zuwendung und ein klar gegliederter Tagesablauf in ihrer neuen Gemeinschaft. Für viele der Kinder sind drei Mahlzeiten am Tag und Kleidung, die ihnen passt, schon ein großes Wunder. Und auch die menschliche Wärme in unseren Heimen tröstet sie natürlich sehr. Unser ganzheitlicher Ansatz erlaubt es den Kindern aber auch, Triebkräfte einer dynamischen und positiven Entwicklung zu werden. Schon nach dem Besuch einer Schule gehören sie zu den fähigsten Menschen in ihrer Region. Damit haben sie die Chance, später in einflussreiche Positionen aufzusteigen. Und auf lange Sicht haben sie so das Potenzial, ihre Gemeinschaften voranzubringen.

Wir danken Ihnen für das Gespräch.


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